Alltag · Kapitel 2.17 · 21. Oktober 2026

Vierundzwanzig Mal

Vier Jahre, vierundzwanzig Werkstattaufenthalte und eine Nacht in Tarifa, in der mir Wasser über das Gesicht lief.

Euer Dominik, willkommen an Bord.
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Es ist drei Uhr nachts in Tarifa, ganz unten in Andalusien, am südlichsten Zipfel des europäischen Festlands. Bei Tageslicht sieht man von hier aus Afrika liegen.

Ich liege oben im Aufstelldach. Es hat den ganzen Abend leicht geregnet, so ein freundlicher Regen, bei dem man sich einbildet, man hätte das beste Bett der Welt erwischt. Ich habe das sogar genossen.

Dann drehe ich mich zur Seite, und mir läuft Wasser über das Gesicht.

Nicht ein Tropfen. Wasser.

Ich liege da, im Dunkeln, in meinem eigenen Bett, in Herbie, für den ich den Preis eines kleinen Einfamilienhauses bezahle, und über mir ist ein Zeltdach, das nicht dicht ist. Draußen ist nichts. Kein Ort, keine Werkstatt, kein Mensch. Nur Wind, Regen, zwei Kontinente und ich, und die Frage, wie ich dieses Auto bis zum Morgen wieder trocken bekomme.

Ich habe keine Antwort gefunden. Ich habe einfach dagesessen.

Das ist die Nacht, von der aus ich euch jetzt die anderen dreiundzwanzig Geschichten erzähle.

Vierundzwanzig Mal

Ich habe irgendwann angefangen zu zählen, und das hätte ich besser nicht getan.

Vierundzwanzig Werkstattaufenthalte in vier Jahren.

Wenn ihr die Tage zusammenrechnet, an denen dieses Auto nicht bei mir stand, sondern bei irgendjemandem auf einer Hebëbühne, kommt ihr auf etwa drei Monate. Drei Monate am Stück. Ein Vierteljahr von vier Jahren.

Und jetzt stellt euch bitte eine Sache vor, bevor ihr weiterlest: Ein Camper ist kein Zweitwagen. Ein Camper ist der Grund, warum man im Frühjahr Urlaub plant. Jeder Werkstatttermin ist ein Wochenende, das nicht stattfindet.

Ich erzähle euch nicht alle vierundzwanzig. Ich erzähle euch die, bei denen ihr versteht, warum ich irgendwann aufgehört habe, freundlich zu sein.

Das Pfeifen, das zwei Jahre gebraucht hat

Es fing an mit einem Geräusch.

Ein Pfeifen. Nicht immer, das wäre zu einfach gewesen. Manchmal. In bestimmten Situationen, und keiner konnte mir sagen, in welchen.

Ihr kennt das vielleicht von einem Zahn, der nur manchmal wehtut. Ihr geht hin, und in dem Moment ist Ruhe. Genau so.

Zwei Jahre. Es wurden Bremsanlagen erneuert. Es wurde gesucht, gemessen, protokolliert und wieder zugemacht. Es hat mich wahnsinnig gemacht, und irgendwann habe ich angefangen, im Auto zu sitzen und auf ein Geräusch zu warten, statt auf die Straße zu schauen.

Gefunden habe ich es selbst. An einer Tankstelle, beim scharfen Bremsen. Ein Gluckern, und in dem Gluckern dieser Ton, lauter und wieder leiser.

Der Tank. Die Kraftstoffpumpe. Irgendetwas mit dem Schwimmer, ich bin kein Techniker und will auch keiner sein.

Zwei Jahre, Leute. Zwei Jahre hat Volkswagen, ein Konzern, der mir mehrseitige Briefe über seine Qualitätsstandards schickt, ein Pfeifen nicht gefunden, das ein Kunde an einer Tankstelle hört.

Nahaufnahme der Kante des Aufstelldachs, an der Naht hängen Wassertropfen.
Nicht ein Tropfen. Wasser.

Eine weiße Scheibe zwischen lauter schwarzen

Mir wurde ins Auto eingebrochen. Die Küchenscheibe war hin.

Das ist Pech, dafür kann niemand etwas, dafür hat man eine Versicherung. Die Scheibe sollte ersetzt werden, der Schaden war gedeckt, alles seinen Gang.

Ich hole das Auto ab. Ich gehe einmal drumherum, so wie man das macht.

Alle Scheiben in diesem Fahrzeug sind abgedunkelt. Privacy-Verglasung, das ist der Sinn der Sache, in so einem Auto schläft man. Und mitten in dieser Reihe schwarzer Scheiben sitzt jetzt eine glasklare.

Ich habe davorgestanden und nicht geschimpft. Ich habe mich nur gefragt: Warum?

Es sitzt ja ein Mensch in dieser Werkstatt, der diese Scheibe in der Hand hält. Er hebt sie hoch, er setzt sie ein. Links schwarz, rechts klar. Das muss man nicht gelernt haben, um es zu sehen.

Wollen sie nicht? Oder ist es ihnen egal?

Diese Frage kommt in dieser Geschichte noch öfter, und ich habe bis heute keine Antwort.

Ich soll mich nicht so anstellen

Die elektrische Schiebetür ist dann ein Kapitel für sich.

Wir stehen am Meer. Es kommt ein Windstoß, Sand weht herein, ich mache die Tür zu. Mein Fehler, das räume ich ein. Sandkörner zwischen den Kontakten.

Danach war sie kaputt. Und zwar so kaputt, dass sie geschlossen war und das Auto trotzdem der Meinung blieb, sie sei offen. Das Fahrzeug piepte. Ohne Unterlass.

Südfrankreich. Streik. Nichts ging.

Vierzehnhundert Kilometer bin ich nach Hause gefahren. Mit einem Auto, das vierzehnhundert Kilometer lang gepiept hat.

Fahrt das einmal. Nur eine Stunde. Dann wisst ihr, wovon ich rede.

In der Werkstatt wurde die Tür ausgebaut und wieder eingebaut. Ich bekam sie zurück mit zwei Dellen drin, die vorher nicht da waren.

Und der Meister sagte den Satz, den ich diesem Betrieb nie vergessen werde:

Ich soll mich nicht so anstellen, darauf achtet bei der Rückgabe sowieso kein Mensch.

Merkt euch diesen Satz. Er kommt am Ende dieser Geschichte zurück, und dann tut er weh.

Die kleine Liste dazwischen

Jetzt kommt der Teil, bei dem ich euch einfach mitnehme, ohne jedes Mal auszuholen. Sonst sitzen wir hier bis morgen früh.

Der hauseigene Fahrradträger hat mir den kompletten Kofferraumdeckel zerkratzt. Ich hatte vorher die empfohlene Klebefolie drauf. Und weil ich misstrauisch bin, zusätzlich noch aufgeschnittenen Schlauch von einer Motocrossmaschine, verstärktes Gummi. Hat trotzdem nicht gereicht. Neue Lackierung steht an, die zahle ich.

Die Duschpumpe ist auf Sardinien ausgefallen. Nicht bevor ich geduscht habe, sondern mittendrin. Voller Seife, bei warmem Wetter, draußen stehend, und die Pumpe sagt gute Nacht. Es gibt Momente, in denen man nicht weiß, ob man lachen oder etwas werfen soll.

Danach wurde die Pumpe gerichtet. Ich habe den Frischwassertank gefüllt, fünfundzwanzig Liter, und bin losgefahren. Nachts bin ich aufgewacht, aus dem Bett gestiegen und stand knöcheltief im eigenen Bus. Jemand hatte eine Schraube nicht richtig angezogen.

Fünfundzwanzig Liter verteilen sich erstaunlich gleichmäßig.

Dann die Reifendrucksensoren. Stellt euren Bus niemals schräg ab, zum Beispiel an einem Hang. Dann melden die Sensoren zu wenig Druck. Das passiert natürlich nicht in der Nähe eines Reifenhändlers in der fränkischen Provinz, sondern in Monaco. Es gibt wirklich keinen besseren Ort, um spontan vier Reifen zu brauchen.

Es waren nur die Sensoren. Wenn ihr einen Bulli fahrt, wisst ihr das. Wenn nicht, bekommt ihr erst mal Schnappatmung.

Und die Stühle. Ein Campingstuhl von Volkswagen kostet über zweihundert Euro. Bei Decathlon kostet einer fünfundzwanzig. Der von Decathlon steht heute noch. Bei den teuren brauche ich einen Schraubenschlüssel, weil sie immer wieder auseinanderfallen. Im Moment halten sie. Ich bewege sie nicht mehr. Ich möchte nichts mehr mit ihnen zu tun haben, das ist kein Witz, sondern inzwischen eine Frage der Sicherheit.

Die Fensterreihe des Busses von außen: links eine abgedunkelte Scheibe, rechts eine glasklare, durch die die Backsteinwand dahinter zu sehen ist.
Links schwarz, rechts klar. Das muss man nicht gelernt haben, um es zu sehen.

Der Schlauch aus dem Baumarkt

Spanische Grenze. Ich freue mich auf die Tour, alles ist gut.

Dann leuchtet das Display. Öldruck zu hoch.

Zwei Tage vorher war das Auto zur Inspektion. Zwei Tage.

Und jetzt denkt einmal kurz mit mir nach: Wie wird Öl heute nachgefüllt? Man schaut nicht auf den Messstab und hört auf, wenn es voll ist. Es steht in einer Tabelle, dass dieser Motor sieben Komma sieben Liter nimmt. Also kommen sieben Komma sieben Liter hinein. Ob die hineinpassen, prüft niemand.

Dass Öl sich bei Hitze ausdehnt, kommt in der Tabelle nicht vor.

Ich rufe den Notdienst an. Der sagt: Fahren Sie in die nächste Werkstatt. Gesagt, getan, nächste Werkstatt. Die sagt: Samstag, kein Notdienst, keine Zeit.

Wisst ihr, was ich dann gemacht habe?

Ich bin in einen Baumarkt gefahren und habe einen Aquarienschlauch gekauft. Den habe ich in den Öleinfüllstutzen gesteckt und Öl abgesaugt. Mit dem Mund. So lange, bis die Warnung nicht mehr kam.

Ich stand an einer spanischen Landstraße, fünfzig Jahre alt, und habe aus meinem Motor Öl gesaugt wie aus einem Aquarium.

Das ist der Moment, in dem ich aufgehört habe, Volkswagen ernst zu nehmen.

Und dann die Airbagleuchte

Die Airbagwarnung ging an. Immer wieder.

Es war am Ende der Steckverbinder am Gurtschloss des Fahrersitzes. Ein defektes Teil, eindeutig nachweisbar.

Was macht man damit? Man tauscht es aus.

Was wurde gemacht? Die Software wurde zurückgesetzt. Zweimal. Zweimal kam ich wieder. Beim dritten Mal war ich bereits auf dem Weg nach Süditalien und bin die ganze Strecke mit einer leuchtenden Airbagwarnung gefahren.

Lasst euch das kurz durch den Kopf gehen. Airbag. Das ist nicht das Radio.

Insgesamt dreimal in der Werkstatt, bis jemand den Stecker gewechselt hat.

Wollen sie nicht? Oder ist es ihnen egal? Bei einem Airbag hört bei mir der Spaß auf.

Der Kofferraumdeckel über dem Rücklicht: mehrere tiefe Kratzer ziehen sich durch den weißen Lack.
Trotz Klebefolie und aufgeschnittenem Motocross-Schlauch. Die Lackierung zahle ich.

Ein Kunde mit Beweismaterial

Und das ist der Punkt, der mich am meisten mitnimmt, mehr als jede einzelne Reparatur.

Ich bin in diesen vier Jahren zu einem Menschen geworden, der mit Fotos in eine Werkstatt geht.

Ich mache Aufnahmen vor der Übergabe. Ich mache Aufnahmen nach der Übergabe. Ich habe Tonaufnahmen von Geräuschen. Ich habe Videos, auf denen zu sehen ist, dass ein Schaden vorher nicht da war.

Weil ich gelernt habe, dass ich sonst der Lügner bin.

Ich bin ein Mensch geworden, der mit Fotos in eine Werkstatt geht.

Das ist die Grundhaltung, die mir dort entgegenkommt: Der Kunde übertreibt. Der Kunde erinnert sich falsch. Der Kunde hat es selbst gemacht.

Bei einem Auto in dieser Preisklasse. Bei einem Kunden, der jeden Termin wahrgenommen und jede Rechnung bezahlt hat.

Meine damalige Chefin bei der Lufthansa, liebe Rebecca, ich danke dir an dieser Stelle noch einmal von Herzen, hat mir vor Jahren etwas gesagt, das ich damals für einen Spruch gehalten habe:

Man wird nicht fürs Denken bezahlt.

Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, wie ernst dieser Satz gemeint war. Da wird nach Richtlinie gearbeitet. Steht es nicht in der Richtlinie, findet es nicht statt. Das Pfeifen stand nicht drin. Die Scheibenfarbe stand nicht drin. Die Ausdehnung von Öl stand nicht drin.

Der Gutachter, der nichts gesehen hat

Jetzt wird es kurz lustig, und danach wird es unangenehm.

Vor der Rückgabe eines Leasingfahrzeugs gibt es den End-of-Check. Bei einem Wohnmobil kommt dafür ein externer Prüfer.

Ich bringe das Auto hin. Der Prüfer ist erstaunt, dass jemand ein Wohnmobil vorbeibringt, was mich wiederum erstaunt, denn es ist ein Prüfer für Wohnmobile. Es dauert länger als eine Stunde, ich soll den Wagen dalassen. Ich stehe also da und überlege, wie ich nach Hause komme.

Am Nachmittag ruft mich der Verkäufer an und nennt mir die Summe aus dem Gutachten.

Ich musste lachen.

Es war so wenig, dass ich am Telefon gesagt habe: Für diese Konditionen hole ich das Auto gerne sofort ab, das ist ja fast geschenkt.

Und dann kam das schlechte Gefühl. Denn ein Gutachter meines Vertrauens hatte mir vorher gesagt: Junge, was da nicht drinsteht, kann dir bei der Rückgabe auf die Füße fallen.

Also bin ich hingefahren und habe den Prüfer noch erwischt.

Ich habe ihn gefragt, ob er wirklich alles gesehen hat. Er schaute mich an und sagte: Wieso, was denn?

Dann bin ich mit ihm einmal um mein Auto gegangen.

Es waren zwölf Blessuren, die er nicht aufgenommen hatte. Zwölf. Darunter Beulen in der Größe einer ausgestreckten Männerhand. Eine Delle in der Säule, weil mir in Griechenland der Heckdeckel auf eine Kamera gefallen ist.

Ein blinder Maulwurf drei Stockwerke unter der Erde hätte diese Beulen gesehen, wenn der Bus über ihm steht.

Dem Prüfer standen am Ende wortwörtlich die Schweißperlen auf der Stirn.

Ich will auf niemandem herumtrampeln. Jeder hat mal einen schlechten Tag, und bei Campern ist man offenbar großzügiger, weil sie benutzt werden. Das verstehe ich sogar.

Aber eine Beule so groß wie eine Hand verstehe ich nicht.

Das Display im Bus zeigt die Meldung: Bitte Ölstand prüfen.
Zwei Tage nach der Inspektion.

Und hier kommt der Satz zurück

Erinnert ihr euch an den Werkstattmeister? Darauf achtet bei der Rückgabe sowieso kein Mensch.

Jetzt sage ich euch, wie das wirklich läuft.

Wenn ein Leasingfahrzeug zurückgeht, kommt nicht der nette Mensch von der Annahme. Dann kommt Inspektor Clouseau. Dann kommt Sherlock Holmes. Dann stehen sie mit der Lupe an diesem Auto, und wehe, irgendwo ist ein Hauch von etwas, das nicht dem Auslieferungszustand entspricht.

Dann zahlt ihr nicht einfach. Ihr zahlt nicht doppelt. Ihr zahlt ein Vielfaches.

Darauf bin ich schon einmal hereingefallen. Deshalb habe ich davor inzwischen wirklichen Respekt, und deshalb bin ich zum Prüfer zurückgefahren.

Der Satz des Meisters war also nicht nur falsch. Er war der teuerste Rat, den ich in diesen vier Jahren bekommen habe.

Bremsen, die angeblich neu waren

Noch eine, dann lasse ich euch gehen.

Der Prüfbericht beanstandet die Bremsanlage hinten.

Das hat mich kurz schlucken lassen, bis mir etwas auffiel: Ich habe einen Servicevertrag mit Wartung und Verschleiß. Und ich hatte vor kurzem eine Inspektion, bei der die Bremsanlage erneuert worden ist. Bremsscheiben, alles.

Ich fahre also am nächsten Tag zu meiner Werkstatt, weil ich ohnehin eine Gasprüfung habe. Der junge Mann freut sich, Herr Dahmen kommt zur Gasprüfung.

Ich sage, nein, nicht nur. Ich hätte da eine Frage.

Wann genau war meine letzte Bremsenerneuerung?

Die haben wir doch vor kurzem gemacht, sagt er. Das ist doch alles gut.

Nein, sage ich, das ist überhaupt nicht gut. Die Prüfstelle beanstandet genau diese Bremsanlage.

Dann habe ich ihn noch höflich auf die hohen Qualitätsstandards des Hauses hingewiesen und gefragt, wie es damit so aussieht.

Da fehlten ihm die Worte. Er wollte den Bericht sehen, hat ihn anstandslos genommen und war mit dem Auto verschwunden.

Am späten Nachmittag rief er an. Es sei auf Kulanz geregelt worden.

Auf Kulanz. Für etwas, das ich bezahlt habe und das in meinem Vertrag steht.

Und jetzt der Gedanke, den ich nicht loswerde, und ich sage ausdrücklich: Ich behaupte es nicht, ich stelle ihn in den Raum. Wenn eine Bremsanlage frisch erneuert wurde und kurz darauf beanstandet wird, dann sind zwei Dinge möglich. Entweder war das Material schlecht.

Oder es ist etwas abgerechnet worden, das nicht gemacht wurde.

Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht beweisen. Und genau deshalb muss ich es als Frage stehen lassen.

Das Aufstelldach des Busses steht schief: vorn hoch, hinten kaum angehoben.
Vorn hoch, hinten unten. So stand das Dach.

Und dann fiel mir die Tür entgegen

Ich fahre nach Hause. Das Auto kommt auf die Rampe, unter sein Dach, damit ihm nichts passiert.

Denn, kleiner Hinweis am Rande: Einen Camper mit Aufstelldach darf man nicht im Regen stehen lassen. Nicht etwa, weil es hineinregnet, das auch, sondern weil sich die Farbe des Dachstoffs verändert, wenn oben eine Pfütze steht. Ich hatte einen schönen grauen Fleck auf dem Dach, und bei der Werkstatt hieß es, das könne vom Wasser nicht kommen.

Ihr geht abends mit einem weißen Dach ins Bett und wacht mit einem grünlichen auf. Lacht ruhig. Ich habe auch gelacht.

Ich steige also aus, gehe um das Auto herum und ziehe die Schiebetür auf.

Und mir fällt die Küchenklappe entgegen. Halb abgerissen, hängend.

Die Küchenklappe, die ich kurz vorher hatte erneuern lassen, weil ich sie angeblich kaputt gemacht hatte. Ein Clip, der in der Herstellung vermutlich keine zwei Cent kostet und den man mir mit dreißig Euro berechnet hat.

Der Prüfer für die Gasanlage muss dort gewesen sein, dort sitzt der Gashebel. Es kann niemand anderes gewesen sein.

Aber statt dem Kunden zu sagen, dass etwas abgebrochen ist, lässt man ihn losfahren. Mit einer halb hängenden Tür.

Da ist sie wieder, die Frage: Wollen sie nicht? Oder ist es ihnen egal?

Was ich vom Konzern will

Ich schreibe diesen Text nicht, um jemandem zu schaden. Ich schreibe ihn, damit der Nächste vorbereitet ist.

Und ich schreibe ihn, weil mir etwas auffällt.

Das Konzept dieses Fahrzeugs ist großartig. Wirklich. Der T sechs eins California Ocean ist eine der besten Ideen, die Volkswagen je hatte. Ein Bus, in dem man wohnen kann, der aussieht wie ein Bus und nicht wie ein Kleiderschrank auf Rädern. Die Idee ist sensationell, und ich würde sie sofort wieder kaufen.

Ich kenne Leute, die denselben Wagen fahren und die nicht ein einziges Problem hatten. Einer hat ihn sogar ein paar Tage vor mir abgeholt. Nichts. Null.

Ich hatte ein Montagsauto. Das gibt es, das ist Pech, und darüber würde ich kein Wort verlieren.

Worüber ich Worte verliere, ist der Umgang.

Es fing ab Werk an, mit einem gebrochenen Spiegel, den man mir in die Schuhe geschoben hat. Es ging weiter mit mehrseitigen Briefen über Qualität, die man einem Kunden schickt, damit er den Mund hält. Und es endet damit, dass niemand mir sagen kann, zu welchen Konditionen ich das Auto herauskaufen könnte. Sechs Wochen frage ich das jetzt. Die Bank sagt, dafür ist sie nicht zuständig. Der eine Verkäufer sagt, dafür ist er nicht zuständig. Der andere auch nicht.

Liebe Leute in Wolfsburg, falls das jemand liest:

Der Markt ist nicht mehr eure Spielwiese. Die Hersteller aus Asien bauen schneller, günstiger und oft genauso gut, und sie stehen schon an der Grenze. Was euch gerade noch schützt, ist die Weltlage, und die ist kein Geschäftsmodell.

Hätte dieses Auto die Hälfte gekostet, hätte ich manches hingenommen. Aber den doppelten Preis zu verlangen, dazu die dreifache Arroganz und die vierfache Überheblichkeit, das geht nicht zusammen.

Nach Hochmut kommt der tiefe Fall. Das ist keine Drohung, das ist ein Sprichwort, und ihr seid gerade dabei, es zu bestätigen.

Nahaufnahme der Küchenklappe: der weiße Kunststoffclip ist abgebrochen, ein Bruchstück liegt darunter.
Ein Clip für zwei Cent. Berechnet mit dreißig Euro.

Und trotzdem

So. Jetzt habe ich euch dreiundzwanzig Geschichten erzählt und die Nacht in Tarifa dazu.

Und jetzt kommt der Teil, den ihr nach all dem vielleicht nicht erwartet.

Ich bin Herbie dankbar.

Nicht Volkswagen. Herbie.

Sonnenaufgänge, bei denen ich allein war und es nicht schlimm fand. Abende, an denen die Schiebetür offen stand und nichts passiert ist. Monate, in denen ich nicht wusste, wohin mit mir, und in denen dieses Ding in der Einfahrt stand und gesagt hat: Dann fahr halt. Er heißt nicht umsonst so. Meine Kinder haben ihn nach dem Käfer benannt, der schmollt, wenn man ihn schlecht behandelt, und losfährt, wenn es darauf ankommt. Sie hatten recht, und sie wussten damals noch nicht, wie sehr.

Situationen, die mich neu erschaffen haben. Nicht abgelenkt. Neu erschaffen.

Am sechzehnten November bringe ich Herbie nach Frankfurt. Darüber schreibe ich dann noch einmal, und ich habe jetzt schon Respekt vor diesem Tag.

Bis dahin wisst ihr wenigstens, worauf ihr achten müsst, wenn ihr euch so etwas kauft.

Und falls doch jemand aus Wolfsburg mitliest: Ich hätte Herbie gerne behalten. Er ist nicht irgendein Fahrzeug aus eurer Statistik, er ist das Ding, das mich durch die schlimmsten zwei Jahre meines Lebens getragen hat. Ihr habt es mir nur sehr schwer gemacht, ihn zu lieben, und das ist das Traurigste an dieser ganzen Geschichte.

Bis dahin. Liebe Grüße, euer Dominik

Willkommen an Bord.

Zwischen Himmel und Erde · Podcast

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