
Von alten Flügeln und neuen Wegen
Es gibt Zeiten im Leben, in denen nichts wirklich zu Ende ist und dennoch alles anders wird.
Man steht noch zwischen den Resten dessen, was einmal das eigene Leben war, und spürt längst, dass man dort nicht mehr hingehört. Genau so fühlt sich mein Alltag im Moment an. Nicht wie ein sauberer Neubeginn. Nicht wie ein klarer Schnitt. Eher wie ein Leben dazwischen. Zwischen dem, was mich fast fünfundzwanzig Jahre getragen hat, und dem, was sich heute langsam, tastend und manchmal auch mühsam neu formt.
Wie ihr wisst, bin ich nach knapp 25 Jahren Lufthansa nicht mehr flugtauglich gewesen. Es gab die Ereignisuntersuchung, es gab die Entscheidung, und am Ende wurde ich berufsunfähig geschrieben. Viele sagen in solchen Momenten, einem Engel würden die Flügel abgeschnitten.
Bei mir fühlte es sich nicht nach Abschneiden an. Es fühlte sich ruppiger an. Härter. Als hätte man sie mir einfach abgerissen.
Und dann stand ich da.
Nicht nur ohne meinen Beruf. Sondern ohne das, was so viele Jahre Identität, Rhythmus und Zuhause gewesen war.
Ich habe lange gebraucht, um mich in diesem neuen Leben überhaupt wiederzufinden. Um mich innerlich neu aufzustellen. Um zu begreifen, dass manche Kapitel nicht leise gehen, sondern eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Ich wusste zuerst nicht, wohin es geht. Da war viel Angst. Angst vor der Zukunft. Angst vor dem, was kommt. Angst vor einem Alltag, den ich mir so nie ausgesucht hatte. Und ja, da war auch meine Krankheit. Aber darüber möchte ich heute nicht schreiben. Nicht heute. Heute soll es eher um eine Kurzfassung gehen. Um das, was war. Und um den Punkt, an dem ich gerade stehe.
Falsche Versprechen und falsche Menschen
Nach der Beendigung der Fliegerei bin ich eine Zeit lang falschen Versprechen hinterhergelaufen. Falschen Menschen. Falschen Hoffnungen. Und nach dem ohnehin schon schweren Verlust meiner geliebten Tätigkeit bin ich dann noch einmal
gefallen. Weil ich vertraut habe. Weil ich mein Herz geöffnet habe, obwohl genau das schon genug Überwindung gekostet hatte. Und weil genau dieses Vertrauen am Ende mit einer Kälte beantwortet wurde, die lange in einem nachhallt.
Manchmal sind es nicht die lauten Verletzungen, die am tiefsten gehen. Manchmal sind es gerade die stillen. Die, bei denen kein Streit bleibt, sondern nur ein leerer Raum.
Vanlife als Wendepunkt
In dieser Zeit war ich viel im Van unterwegs. Vanlife ist ein eigenes Kapitel, und vieles davon findet ihr bereits hier auf meinem Blog. Genauso wie mein Crewlife. Auch diese Welten gehören zu mir. Und auch im Vanlife gab es Momente von Angst, Einsamkeit und innerer Schwere. Aber darum soll es heute nicht gehen. Heute geht es um die anderen Augenblicke. Um die schönen. Um die, die geblieben sind.
Es gab unterwegs Momente, die so still, so klar und so besonders waren, dass ich sie festhalten wollte. Nicht nur als Erinnerung. Sondern so, dass man sie später noch einmal fühlen kann. Das Licht eines Morgens. Eine Landschaft, die plötzlich alles in mir beruhigt hat. Ein Blick. Ein kurzer Atemzug Freiheit. Ein Gefühl, das sich nicht in Worte pressen ließ und gerade deshalb bewahrt werden wollte.
Und genau dort hat vielleicht etwas begonnen, ohne dass ich es damals schon richtig benennen konnte.
Videografie
Denn aus diesem Wunsch, Momente nicht einfach vergehen zu lassen, ist irgendwann das Thema Videografie entstanden.
Es kam nicht laut in mein Leben. Es kam eher leise. Fast wie eine Ahnung.
Ich habe mich vor vielen Monaten dafür entschieden, mich für diesen Bereich zu öffnen. Ich habe geübt, gelernt, ausprobiert und irgendwann gemerkt, dass es eben nicht nur ein kleines Interesse ist, sondern etwas, das mich wirklich ruft. Etwas, das mit Leidenschaft, Passion und Hingabe verbunden ist. Und genau deshalb habe ich mich auch für ein Studium im Bereich Videografie entschieden, das ich derzeit frei, freiwillig und mit viel Enthusiasmus mache.
Und trotzdem wäre es falsch, diesen Weg romantischer zu schreiben, als er gerade ist.
Denn neue Projekte tragen nicht nur Begeisterung in sich. Sie tragen immer auch Überforderung. Und sie tragen Wandel.
Und Wandel ist etwas, das uns Menschen selten leichtfällt. Wir reden oft von Aufbruch, Entwicklung und neuen Chancen. Aber wenn man selbst mittendrinsteht, fühlt sich Wandel oft erst einmal nicht schön an, sondern unsicher. Fremd. Kraftzehrend. Weil man seine Komfortzone verlässt und plötzlich wieder Anfänger ist. Und genau an diesem Punkt stehe ich immer wieder.
Lernen und Umstellung
Man lernt eine neue Tätigkeit kennen, und mit ihr öffnet sich nicht nur ein neues Kapitel, sondern gleich eine ganze neue Welt.
Das Studium ist dabei ganz anders aufgebaut, als ich es aus meinem früheren Berufsleben kenne. Gerade wenn man viele Jahre ein System wie das der Lufthansa gewohnt war, mit klaren Strukturen, Abläufen, Verantwortlichkeiten und einem festen Rahmen, dann ist diese neue Form des Lernens erst einmal eine Umstellung. Man arbeitet sich selbstständig durch die Inhalte, trägt die Verantwortung für sich allein und am Ende der Woche gibt es einen Call. Das war es dann erst einmal. Kein enges Auffangen. Kein ständiges Korrigieren von außen. Kein System, das einen automatisch mitträgt. Und auch wenn ich mich in den letzten Wochen daran gewöhnt habe, fordert mich genau das immer wieder.
Denn man lernt nicht einfach nur etwas Neues. Man verliert sich an manchen Tagen fast in der Tiefe dessen, was man neu lernt.
Final Cut Pro
Final Cut Pro ist dafür ein gutes Beispiel. Nach außen klingt es vielleicht nur nach einem Schnittprogramm von Apple. Ein Werkzeug eben. Aber in Wahrheit ist es ein eigener Kosmos. Man lernt nicht nur eine Oberfläche. Man taucht in Details ein, in Abläufe, in Logik, in Prozesse, in technische Zusammenhänge. Und jedes Mal, wenn man glaubt, ein Kapitel verstanden und geschlossen zu haben, öffnen sich plötzlich zwei neue. Dann schließt man zwei und es öffnen sich vier. So fühlt es sich zumindest an. Ein ständiges Weitergehen in eine Tiefe, die man am Anfang überhaupt nicht erahnt.
Ton und Licht
Und es bleibt ja nicht beim Schnitt.
Dann öffnet sich das Thema Ton. Und Ton ist schon wieder eine Welt für sich. Dann kommt Licht. Dann kommt neues Equipment.
Kamera, Mikrofon, Linse und Drohnen
Dann eine neue Kamera. Dann ein neues Mikrofon. Dann eine neue Linse. Dann neue Drohnen. Dann die Frage, warum das eine Bild mit dem anderen nicht harmoniert. Warum Farben nicht zusammenpassen. Warum ein Look auf einem Gerät anders aussieht als auf dem nächsten.
Eine heutige Kamera ist längst nicht mehr einfach nur eine Kamera. Sie ist ein kleiner Computer. Ein System, das so vielschichtig ist und so viele Einstellungen mit sich bringt, dass man zwar auf alte fotografische Erfahrungen zurückgreifen kann, aber dennoch das Gefühl hat, wieder ganz von vorn zu beginnen. Früher legte man einen Film ein, dachte über Blende, Verschlusszeit und Belichtung nach. Heute öffnet man ein ganzes Universum aus Menüs, Profilen, Codecs, Framerates, Farbwelten und technischen Feinheiten, die einem an manchen Tagen schier endlos erscheinen.
Die Tiefe des Lernens
Wenn ich das Lernen in Zahlen ausdrücken müsste, von eins bis hundert, dann fühle ich mich vielleicht gerade bei fünf. Und selbst diese fünf wirken manchmal nur wie ein Punkt in einem sehr großen Raum. Denn die Facetten der Videografie sieht man von außen kaum. Man sieht vielleicht am Ende einen schönen Clip. Ein schönes Bild. Eine kurze Sequenz. Aber man sieht nicht die Stunden davor. Nicht die Suchbewegungen. Nicht das Scheitern. Nicht das erneute Aufstehen. Nicht dieses zähe, wiederholte Sich-Hineinarbeiten in Dinge, die einem zunächst fremd sind.
Ich sitze teilweise zwölf bis vierzehn Stunden täglich am Computer. Ich übe. Ich trainiere. Ich scheitere. Ich beginne neu.
Und das Zähe daran ist nicht einmal nur der Umfang des Stoffes. Es ist auch die Art, wie man sich Lösungen erarbeiten muss. Denn da steht nicht ständig jemand links oder rechts neben einem und sagt: Schau mal, da liegt der Fehler. Versuch es einmal so. Geh in diese Richtung. Nein. Man muss wieder recherchieren. Wieder nachlesen. Tutorials auf YouTube suchen. Auf TikTok schauen. In sozialen Medien stöbern. Über KI versuchen, einen Lösungsansatz zu finden. Und genau das verlangsamt vieles. Es macht Wege länger. Es macht Prozesse schwerer. Und manchmal bringt es mich schlicht an meine Grenze.
Grenzen und Überforderung
An manchen Tagen sitze ich da und merke: Ich kann gerade nicht mehr. Nicht, weil ich keine Lust hätte. Sondern weil mein Kopf einfach voll ist.
Und genau das ist manchmal der traurige Punkt daran. Denn der Ursprung dieser ganzen Reise war ja nie bloß Technik. Er war nie nur Handwerk. Er war Traum. Leidenschaft. Passion. Der Wunsch, Schönheit, Stimmung, Erinnerung und Gefühl sichtbar zu machen. Die Kreativität war zuerst da. Der Blick. Die Sehnsucht. Die innere Bewegung. Und dann steht einem plötzlich nicht die fehlende Idee im Weg, sondern die handwerkliche Hürde, diese Idee in genau das zu verwandeln, was man in sich längst sieht.
Meine Ist-Situation
Das ist im Moment meine Ist-Situation.
Und gleichzeitig besteht mein Alltag nicht nur aus dem Studium, aus Videografie, aus Übungen und Nachbearbeitung. Von außen wirkt es vielleicht manchmal, als hätte ich gar nicht so viel zu tun. Aber die Wahrheit ist eine andere.
Podcast, Blog und Lives
Ich vermisse meinen Podcast nicht nur, ich führe ihn weiterhin als Teil meines Alltags. Mein Blog, den ich immer wieder schreibe, gehört genauso zu meinem täglichen Geschäft. Meine Live-Sendungen ebenfalls. Ich bin jeden Tag auf TikTok auf meinem Kanal Über den Wolken live und interagiere dort oft zwei Stunden mit Menschen da draußen. Es geht um Flugangst, um allgemeine Fragen zur Fliegerei, um das, was hinter dem Vorhang geschieht, um Einblicke, um Austausch, um Nähe.
Auch das ist Arbeit. Auch das ist Alltag. Auch das ist ein Teil von dem, was ich mir aufgebaut habe.
Social Media
Social Media wirkt von außen oft leicht. Schnell. Glänzend. Man sieht meist nur die, die bereits Erfolg haben. Man sieht Ergebnisse. Man sieht Reichweite. Man sieht fertige Oberflächen. Aber was man nicht sieht, ist die Zeit, die darin verschwindet. Die Stunden. Die Energie. Die Disziplin. Die Zweifel. Und leider auch den Spott und den Hohn, den man ertragen muss, wenn man sichtbar wird, bevor man bereits ganz oben angekommen ist.
Kunden, Kritik und Dankbarkeit
Ich habe vor nicht allzu langer Zeit über soziale Medien versucht, Kunden zu generieren. Mit mäßigem bis gar keinem Erfolg. Im Gegenteil. Es wurde Kritik geäußert über Beiträge, die ich gestaltet habe. Aber nicht in einer Weise, die getragen hätte. Nicht in einer Weise, die gesagt hätte: Komm, lass es uns besser machen. Ich helfe dir. Ich glaube an deine Idee. Sondern eher so, wie Menschen eben manchmal sind, wenn sie lieber urteilen als begleiten.![]()
Und genau deshalb möchte ich heute auch Danke sagen.
Danke an die, die sich an meine Seite gestellt haben. Danke an die, die gesagt haben: Ja, Dominik, lass es uns versuchen. Danke an die, die Lust darauf haben, diesen Weg mit mir zu gehen.
Denn gerade am Anfang braucht man nicht nur Talent. Nicht nur Fleiß. Nicht nur Ideen. Man braucht auch Menschen, die einen nicht dafür verurteilen, dass man noch auf dem Weg ist. Menschen, die nicht nur auf das schauen, was noch nicht perfekt ist, sondern auf das, was entstehen will. Und genau diesen Menschen fühle ich mich verbunden. Ihnen habe ich mein Herz verschrieben. Nicht, weil sie mir etwas schulden. Sondern weil sie an mich glauben, noch bevor alles fertig ist. Und das ist etwas, das ich nie vergessen werde.
Mein Alltag heute
Ich weiß, dass ich noch nicht dort bin, wo ich einmal sein möchte. Ich weiß, dass dieser Weg noch lang ist. Ich weiß auch, dass er mich Kraft kostet.
Aber ich weiß inzwischen ebenso, dass in mir wieder etwas lebt, das lange still geworden war. Eine neue Perspektive. Eine neue Leidenschaft. Eine neue Richtung. Und vielleicht ist genau das das Entscheidende. Nicht, dass schon alles sicher ist. Nicht, dass ich schon angekommen bin. Sondern dass ich wieder gehe. Dass ich wieder lerne. Dass ich wieder glaube. Trotz alter Ängste. Trotz neuer Unsicherheiten. Trotz all der Tage, an denen mir alles über den Kopf wächst.
Vielleicht ist genau das mein Alltag gerade.
Nicht Perfektion. Nicht Ankommen. Nicht Leichtigkeit.
Sondern Höhen und Tiefen. Alte Wunden und neue Wege. Ängste und Freuden. Neue Menschen. Neue Perspektiven. Und mitten darin ich selbst, irgendwo zwischen Vergangenheit und Zukunft, mit dem ehrlichen Versuch, aus all dem wieder ein Leben zu bauen, das sich nach mir anfühlt.
Und vielleicht reicht das für jetzt.
Danke fürs Mitlesen.
Danke fürs Zuhören.
Danke, dass ihr mich auch in meinem Alltag begleitet.
Auch diese Reise durch meinen Alltag ist noch nicht die letzte. Sie geht weiter.
Mit neuen Gedanken, neuen Wegen und sicher auch mit neuen Fragen.
Euer Dominik
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