
Japan – Aufbruch auf Umwegen
Manche Gelegenheiten tauchen nicht langsam am Horizont auf. Sie stehen plötzlich im Raum, als wären sie schon immer für einen bestimmt gewesen.
So war es mit Japan.
Nicht als lang geplanter Traum. Nicht als Reise, die sich über Monate angekündigt hätte. Sondern als eine dieser unerwarteten Wendungen, die genau in dem Moment auftauchen, in dem man begonnen hat, an den eigenen nächsten Schritt überhaupt erst zu glauben.
Ausgerechnet aus einem Mangel heraus entstand plötzlich eine Möglichkeit, mit der ich nicht gerechnet hatte. Denn was mir in meiner Ausbildung in der Videografie in den letzten Monaten immer wieder gefehlt hat, war nicht Stoff, nicht Inhalt und auch nicht Motivation. Davon gibt es reichlich. Eher im Gegenteil. Was mir fehlte, war etwas anderes. Etwas, das sich nicht aus Lektionen, nicht aus Calls und schon gar nicht aus sauber aufgebauten Kursmodulen herauslösen lässt.
Praxis. Echte Praxis.
Nicht dieses theoretische Verstehen, bei dem der Kopf höflich nickt, während die Hände noch immer nicht wissen, was sie da eigentlich tun sollen. Sondern unmittelbares Lernen. Zuschauen. Mitgehen. Begreifen, wie Abläufe wirklich aussehen, wenn sie nicht mehr nach Lehrplan funktionieren, sondern nach Erfahrung, Intuition und professioneller Selbstverständlichkeit.
Genau aus diesem Gedanken heraus begann ich, verschiedene Mentoren anzuschreiben. Nicht mit dem Anspruch, irgendwem zur Last zu fallen. Nicht mit der stillen Hoffnung, man würde mich nun feierlich in die Welt der großen Filmschaffenden aufnehmen. So größenwahnsinnig war ich dann doch nicht. Sondern schlicht mit dem Wunsch, zu lernen.
Die Resonanz darauf war, sagen wir, überschaubar. Ein schöneres Wort für Schweigen ist mir bis heute nicht eingefallen.
Bis ich irgendwann den Hauptmentor selbst anschrieb: Jannis Riebschläger. Ich fragte ihn, ob es eine Möglichkeit gäbe, ihm einmal bei einem Projekt über die Schulter zu schauen. Nicht, um geschniegelt daneben zu stehen und wichtig auszusehen. Nicht, um mich in ein Bild zu stellen, das mir noch gar nicht gehört. Sondern um zu sehen, wie ein Profi arbeitet. Um diese kleinen Handgriffe zu beobachten, diese Selbstverständlichkeiten, die in Wahrheit Jahre an Erfahrung in sich tragen.
Aus dieser Nachricht entstand ein überraschend herzliches Gespräch. Zunächst klang es nach einer Absage. Dann nach einem Vielleicht. Und plötzlich stand da doch eine Tür offen, mit der ich in dieser Form nicht gerechnet hatte.
Er sagte mir, dass in Kürze ein Projekt in Japan anstehe. Wenn ich spontan genug sei, könnte ich mitkommen.
Japan.
Allein dieses Wort hatte sofort eine eigene Schwerkraft. Nicht, weil es in meinem Kopf irgendeine romantische Postkartenkulisse auslöste. Sondern weil es sich anfühlte wie genau das, wonach ich gesucht hatte: keine Trockenübung, keine weitere Theorieeinheit, kein „irgendwann vielleicht“, sondern eine reale Möglichkeit. Ein echtes Projekt. Ein echtes Umfeld. Eine echte Gelegenheit, etwas von innen zu sehen, statt es nur von außen zu studieren.
Ich war euphorisch. Und ja, vielleicht auch ein wenig überdreht. Aber das gehört vermutlich dazu, wenn sich etwas, das man insgeheim kaum zu hoffen wagte, auf einmal tatsächlich greifbar anfühlt.
Also begann ich zu planen. Ich recherchierte Flüge, prüfte meine Möglichkeiten und versuchte, über meine alten Lufthansa-Konditionen ein Ticket zu bekommen. Das gelang zunächst sogar. Für einen Moment sah es tatsächlich so aus, als würde sich all das erstaunlich unkompliziert fügen. Ein fast schon verdächtiger Zustand. Lebenserfahrung lehrt einen ja, bei zu viel Leichtigkeit lieber kurz misstrauisch zu werden.
Und tatsächlich blieb es nicht leicht.
Die politische Lage veränderte sich. Im Nahen Osten spitzte sich die Situation zu. Lufträume wurden gesperrt, Verbindungen unsicher, Routen unbrauchbar. Was eben noch machbar aussah, begann innerhalb kürzester Zeit zu kippen. Aus einem Plan wurde eine Unsicherheit. Aus Vorfreude wurde Organisation unter Vorbehalt.
Also fing das Suchen wieder von vorn an. Andere Strecken. Andere Airlines. Andere Möglichkeiten. Zwischendurch dachte ich sogar darüber nach, ob ich über die USA fliegen müsste, was in etwa so vernünftig war wie ein Umweg über die halbe Welt, um am Ende doch nur dieselbe Tür zu erreichen. Aber wenn man etwas wirklich will, beginnt Vernunft bekanntlich an manchen Stellen, erstaunlich flexibel zu werden.
Dann ergab sich noch eine Option über Emirates. Auch dort sah es kurz so aus, als könnte es vielleicht doch noch funktionieren. Aber auch diese Hoffnung war an Bedingungen geknüpft, die sich im Rhythmus weltpolitischer Eskalationen nicht gerade verlässlich anfühlten. Stillstand, Unsicherheit, blockierte Verbindungen, kaum planbare Abläufe. Und mit jedem weiteren Versuch wurde deutlicher, dass diese Reise nicht nur von meinem Willen abhing.
Währenddessen liefen die Vorbereitungen dennoch weiter. Jannis schickte mir erste Informationen über den Ablauf der Produktion. Zunächst Zeit in Tokio. Dort sollte ein Vlog entstehen, über ihn, seine Arbeit, seine Projekte, seinen Alltag vor Ort. Danach wäre es weiter nach Nagano gegangen, wo ein Videoprojekt rund um eine Hotelanlage geplant war. Ein Setting, das filmisch natürlich vieles ermöglicht hätte: Perspektive, Atmosphäre, Architektur, Landschaft, Bewegung, Drohne. Also all das, bei dem man innerlich sofort beginnt, Bilder zu sehen, noch bevor überhaupt der erste Koffer gepackt ist.
Und weil ich längst nicht mehr nur in der Idee, sondern bereits mitten in der Vorbereitung war, kümmerte ich mich auch um alles, was für den Einsatz meiner Drohnen notwendig gewesen wäre. Ich setzte mich mit der japanischen Luftfahrtbehörde in Verbindung, ließ meine Drohnen registrieren, meldete sie ordnungsgemäß an, zahlte Gebühren und sorgte dafür, dass im Fall der Fälle nicht nur die Euphorie bereitstand, sondern auch die Bürokratie zufriedengestellt war. Auch das gehört ja inzwischen zu jeder kreativen Freiheit dazu: Formulare, Nachweise, Gebührenbescheide. Die Poesie moderner Selbstverwirklichung ist manchmal erstaunlich verwaltungslastig.
Auch das Hotel war bereits klar. Jannis hatte mir mitgeteilt, wo er einchecken würde, und ich buchte dasselbe. In solchen Momenten beginnt eine Reise innerlich oft schon lange vor dem Abflug. Nicht am Gate. Nicht beim Boarding. Sondern in dem Augenblick, in dem man auf „Buchen“ klickt und merkt, dass aus einer Idee plötzlich eine Wirklichkeit werden könnte.
Vielleicht war genau das der Grund, warum mich das Ende dieses Plans so traf. Nicht, weil einfach nur etwas ausfiel. Sondern weil es sich für einen kurzen Moment bereits angefühlt hatte, als würde es wirklich beginnen.
Ich hoffte lange, dass es doch noch irgendwie möglich sein würde. Dass sich die Lage beruhigt. Dass Verbindungen wieder freigegeben werden. Dass sich eine der vielen Optionen am Ende doch noch öffnet. Aber irgendwann blieb nicht mehr viel außer der Erkenntnis, dass Hoffnung allein keine Route freischaltet.
Also musste ich absagen.
Ich musste Jannis mitteilen, dass ich die Reise nicht antreten kann. Ich musste mein Ticket stornieren. Ich musste bereits gezahlte Kosten als Verlust verbuchen. Und ich musste akzeptieren, dass eine Erfahrung, auf die ich mich innerlich schon eingestellt hatte, nicht stattfinden würde.
Das war bitter. Nicht nur finanziell, obwohl es auch das war. Mehrere hundert Euro verlieren sich nicht elegant, schon gar nicht dann, wenn man sie lieber in Fortschritt als in Stornierungen investiert hätte. Aber der eigentliche Verlust lag an anderer Stelle. In dem, was nicht stattfinden konnte. In dem, was ich dort hätte sehen, lernen, aufsaugen dürfen. In der Möglichkeit, nicht nur Inhalte zu konsumieren, sondern Arbeitsweise, Rhythmus und Professionalität in Echtzeit zu erleben.
Ich hätte dort vermutlich mehr gelernt als in vielen Wochen Theorie zusammen. Nicht, weil Theorie wertlos wäre. Sondern weil sie ohne Erfahrung manchmal ein wenig so bleibt wie eine Landkarte, auf der man alle Wege kennt, aber noch keinen einzigen selbst gegangen ist.
Nach der Absage war es zunächst still.
Und Stille ist in solchen Momenten selten besonders freundlich. Sie schafft Raum für Gedanken, die man lieber nicht allzu laut werden lässt. Für dieses ewige Was-wäre-wenn. Für den Ärger über Umstände, auf die man keinen Einfluss hat. Für das Gefühl, dass sich eine Tür geöffnet hatte, nur um kurz darauf wieder ins Schloss zu fallen.
Ein paar Tage später meldete sich Jannis erneut. Und mit dieser Nachricht änderte sich die Geschichte noch einmal.
Er fragte mich, ob ich die Postproduktion übernehmen wolle.
Nicht vor Ort. Nicht mit Kamera und Drohne in Tokio oder Nagano. Nicht als Beobachter neben ihm. Sondern von hier aus. Aus meinem eigenen Studio. An meinem Rechner. Mit seinem Material. Mit seiner Reise. Mit seinem Alltag. Mit all dem, was er dort drehte, und der Aufgabe, daraus im Nachhinein etwas zu formen.
Ich sollte schneiden. Ton bearbeiten. Material strukturieren. Stimmungen tragen. Rhythmen finden. Aus losem Rohmaterial etwas machen, das man nicht nur anschaut, sondern erlebt.
Und genau an diesem Punkt wurde aus einer abgesagten Reise plötzlich eine andere Art von Herausforderung. Nicht die, die ich mir ursprünglich erhofft hatte. Aber eine, die mich mit aller Konsequenz dort traf, wo Lernen eben nicht mehr theoretisch bleibt.
Denn viele der Dinge, die ich eigentlich an seiner Seite hätte beobachten wollen, standen nun plötzlich als Aufgaben vor mir. Nicht als Lektion. Nicht als Erklärung. Nicht als kleiner, gut portionierter Übungsschritt. Sondern unmittelbar. Verbindlich. Und mit dem stillen Nachdruck, dass ich nun bitte herausfinden möge, wie das alles funktioniert.
Das war, freundlich formuliert, kein sanfter Einstieg. Es war eher die Methode, jemanden mit einem freundlichen Lächeln ins Wasser zu schieben und dann darauf zu vertrauen, dass er schon irgendwie schwimmen lernt. Charakterbildend, gewiss. Beruhigend weniger.
Seitdem sitze ich hier an diesem Projekt. Tag für Tag. Stunde um Stunde. Und ich merke, wie groß der Abstand zwischen Begeisterung und Handfertigkeit manchmal noch sein kann.
Was von außen vielleicht nach „ein bisschen Schnitt“ aussieht, ist in Wahrheit ein ziemlich anspruchsvoller Lernprozess. Denn ich bekomme von Jannis Feedback. Ich erfahre, was besser werden sollte, was noch nicht stimmig ist, was stärker, sauberer, präziser sein darf. Aber den Weg dorthin muss ich mir oft selbst erarbeiten. Die detaillierte Gebrauchsanweisung für meine Überforderung wurde bisher jedenfalls nicht mitgeliefert.
Also recherchiere ich. Ich probiere aus. Ich verwerfe. Ich beginne neu. Ich suche Lösungen, obwohl ich an manchen Stellen noch nicht einmal die richtige Frage sauber formulieren kann.
Das kostet Zeit. Sehr viel Zeit.
Meine Tage bestehen im Moment aus Schnitt, Nachbearbeitung, Korrekturen, Versuchen, Wiederholungen und dem manchmal etwas zähen Versuch, mein eigenes Können dem anzunähern, was ich innerlich bereits als Ergebnis sehe. Vierzehn bis siebzehn Stunden vor dem Monitor sind dabei keine poetische Übertreibung, sondern eher eine nüchterne Zustandsbeschreibung.
Ein Profi würde dafür vermutlich nur einen Bruchteil der Zeit benötigen. Ich nicht. Noch nicht.
Und genau darin liegt vielleicht die härteste Schule dieses Projekts. Denn ich kann mich nicht hinter dem schönen Gedanken verstecken, dass ich ja „eigentlich nur mal zuschauen“ wollte. Dieses Zuschauen wurde mir nicht geschenkt. Stattdessen bekam ich Arbeit. Verantwortung. Reibung. Und die sehr direkte Erkenntnis, dass man manche Dinge offenbar nicht in kleinen, geschützten Schritten lernt, sondern im Ernstfall.
Anstrengend ist das ohne Frage. Es verlangt mir viel ab. Es macht mich an manchen Tagen müde, ungeduldig und auch unerquicklich. Nicht nur mit mir selbst. Wer mitten in einem kreativen Lernprozess steckt und gleichzeitig ständig merkt, was noch nicht gelingt, wird nicht automatisch zur freundlichsten Version seiner selbst. Manchmal eher im Gegenteil.
Und trotzdem merke ich etwas, das mich weitermachen lässt.
Die Handgriffe verändern sich. Die Abläufe werden vertrauter. Was mich an Tag eins noch völlig ausgebremst hat, geht an Tag drei schon etwas flüssiger. Was vor wenigen Tagen noch einen ganzen Arbeitstag verschlungen hat, braucht nun vielleicht nur noch einige Stunden. Nicht, weil plötzlich alles leicht wäre. Sondern weil sich langsam diese schwer beschreibbare Sicherheit einstellt, die man nicht lesen, sondern nur erwerben kann.
Auch die Rückmeldungen von Jannis haben sich verändert. Am Anfang war da eher ein vorsichtiges Grundsätzlich-ganz-gut. Was übersetzt vermutlich bedeutete: Da ist noch viel Luft nach oben, aber wir geraten nicht vollständig in Panik. Inzwischen klingt es anders. Positiver. Er sagt, dass es gut aussieht, dass es ihn hineinzieht, dass er es sich gerne anschaut. Und ich will ehrlich sein: Solche Sätze bedeuten mir gerade sehr viel.
Nicht, weil ich nach Bestätigung lechze wie eine Zimmerpflanze im Hochsommer. Sondern weil sie zeigen, dass Entwicklung stattfindet. Dass sich die vielen Stunden, die vielen Zweifel und die vielen kleinen Korrekturen irgendwo niederschlagen. Dass da nicht nur Erschöpfung entsteht, sondern tatsächlich auch Qualität.
Und vielleicht ist genau das einer der merkwürdig schönen Punkte an diesem Weg. In meinem früheren Beruf gab es Regeln, Normen, Abläufe, feste Rahmen. Vieles war klar strukturiert, durchdefiniert, geordnet. Es hatte seinen Sinn, und ich will diese Zeit nicht geringschätzen. Aber Kreativität funktionierte dort naturgemäß nach anderen Gesetzen. Heute arbeite ich in einem Feld, in dem ich anders denken darf. Freier. Offener. Persönlicher. Nicht ohne Anforderungen, ganz im Gegenteil. Aber ohne jene Art von starrem Korsett, die jedem Ausdruck erst einmal ein Formular zur Seite stellt.
Das ist beglückend. Und gleichzeitig brutal.
Denn Freiheit klingt immer wunderbar, solange man nicht selbst derjenige ist, der sie mit Können füllen muss. Solange sie noch Idee ist, wirkt sie schillernd. Wenn sie aber im Alltag bedeutet, dass niemand außer dir selbst dafür sorgt, dass aus deinem Anspruch auch ein Ergebnis wird, dann bekommt Freiheit eine deutlich ernstere Note.
Ich lerne gerade genau das.
Ich lerne, dass Kreativität nicht nur aus Gefühl besteht, sondern auch aus Zähigkeit. Dass Leidenschaft schön ist, aber ohne Disziplin wenig ausrichtet. Dass man an manchen Tagen scheitert, obwohl man es wirklich gut meint. Und dass genau darin oft mehr Wahrheit liegt als in jedem glatt formulierten Erfolgszitat.
Ich lerne aber auch etwas anderes: dass ich mir selbst inzwischen wieder mehr glaube.
Vielleicht nicht jederzeit. Vielleicht nicht in jeder Stunde. Aber doch mehr als noch vor einigen Monaten.
Denn was ich hier gerade mache, bringt mir finanziell nichts ein. Zumindest nicht unmittelbar. Und doch habe ich das Gefühl, dass ich an etwas arbeite, das einen Wert hat, der sich gerade nicht in Euro beziffern lässt. Erfahrung. Sicherheit. Blickschulung. Arbeitsrhythmus. Frustrationstoleranz. All das sind keine Positionen, die man auf eine Rechnung schreibt. Aber es sind genau die Dinge, die irgendwann darüber entscheiden, ob man etwas nur bewundert oder tatsächlich beherrscht.
Und so seltsam es vielleicht klingen mag: Ich bin froh, dass ich dieses Projekt machen darf.
Ja, ich wäre lieber für dieses Projekt nach Japan geflogen. Ja, ich hätte lieber die direkte Erfahrung vor Ort gemacht. Ja, ich hätte mir gewünscht, dass dieser Weg leichter, eleganter und ein wenig weniger teuer beginnt.
Aber das Leben hat sich offenbar für die rustikalere Variante entschieden.
Und wenn ich ehrlich bin, kenne ich von meinen entscheidenden Lernprozessen ohnehin kaum einen, der sich besonders sanft angekündigt hätte.
Jetzt bin ich an Tag vier. Und was vor wenigen Tagen noch wie eine unüberwindbare Wand wirkte, beginnt erste Risse zu bekommen. Nicht, weil ich schon dort bin, wo ich hinwill. Davon bin ich noch ein gutes Stück entfernt. Sondern weil ich spüre, dass etwas in Bewegung gekommen ist. Dass meine Finger langsamer aufhören, Fremdkörper in dieser neuen Welt zu sein. Dass mein Blick klarer wird. Dass ich Zusammenhänge schneller erkenne. Dass aus Überforderung nach und nach Erfahrung werden könnte.
Vielleicht ist das genau der Punkt, an dem ein Weg beginnt. Nicht dann, wenn alles gelingt. Nicht dann, wenn man mühelos wirkt. Sondern dann, wenn man trotz Reibung bleibt.
Und ich bleibe.
Auch dann, wenn von außen wenig Zuspruch kommt. Auch dann, wenn soziale Medien wieder einmal eher einem Wühltisch gleichen, an dem sich bevorzugt jene versammeln, die mit einem längst nichts mehr zu tun haben, aber erstaunlich viel Energie dafür aufbringen, dennoch alles zu beobachten. Es ist eine eigentümliche Kultur: echtes Interesse selten, Urteil dafür im Sonderangebot. Aber auch daran gewöhnt man sich offenbar, ohne es jemals sympathisch finden zu müssen.
Umso dankbarer bin ich für die wenigen Menschen, die nicht nur auf das schauen, was noch nicht perfekt ist, sondern auf das, was gerade entsteht. Und vielleicht ist das überhaupt eines der kostbarsten Dinge in jeder Anfangsphase: nicht Applaus, nicht Reichweite, nicht große Worte, sondern einzelne Menschen, die sagen: Mach weiter. Ich sehe, was du versuchst. Und ich traue dir zu, dass daraus etwas werden kann.
Ich selbst möchte mir genau das inzwischen auch wieder sagen.
Ich glaube an mich. Ich glaube an diesen Weg. Ich glaube an Luftraumwerk. Und ich glaube daran, dass all das nicht nur ein vorübergehender Versuch ist, sondern etwas, das Zukunft haben darf.
Vielleicht beginnt nicht jede Reise dort, wo man es erwartet hat. Vielleicht führen manche Wege nicht über Flughäfen, sondern über Umwege, Absagen, Schnittfenster, Müdigkeit und sehr lange Tage vor einem Monitor. Vielleicht ist genau das die Form von Aufbruch, die man sich nicht ausgesucht hätte, die einen aber trotzdem prägt.
Japan ist für mich kein fremder Ort. Durch meine Jahre in der Fliegerei habe ich dieses Land oft betreten, habe seine Flughäfen, seine Atmosphäre, seine Ordnung und seine eigene stille Sprache immer wieder erlebt. Und vielleicht war gerade deshalb der Gedanke so besonders, diesmal nicht als Teil meines alten Lebens dorthin zurückzukehren, sondern im Rahmen von etwas Neuem. Nicht mehr als Flugbegleiter. Sondern als jemand, der begonnen hat, sich eine andere Zukunft aufzubauen.
Auch deshalb ist Japan für mich längst ein Kapitel geworden. Eines, das mir deutlicher als vieles andere gezeigt hat, dass verpasste Reisen nicht zwangsläufig verlorene Wege sein müssen. Manchmal verlagert sich der Aufbruch einfach nur an einen anderen Ort. Und manchmal beginnt er ausgerechnet dort, wo man ihn zunächst am wenigsten vermutet hätte: im Scheitern eines Plans.
Auch das gehört wohl zum Lernen. Und vielleicht inzwischen auch zu meinem Alltag.
Euer Dominik
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