Alltag · Kapitel 2.3 · 9. Juli 2026

Toskana

Manchmal beginnt ein neues Kapitel gar nicht mit dem eigentlichen Kapitel.

Euer Dominik, willkommen an BORD.
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Zwischen Gardasee, Elba und einem Ort, an dem plötzlich wieder etwas möglich war

Es beginnt vorher. Irgendwo unterwegs. Mit einem vollgepackten Bulli, Kindern auf der Rückbank, ein bisschen Familienchaos, zu vielen Gedanken im Kopf und diesem Versuch, aus einem normalen Urlaub vielleicht doch etwas Größeres zu machen. Nicht geplant groß. Eher dieses stille Hoffen, dass sich unterwegs irgendetwas sortiert, wenn man nur lange genug fährt.

So fing diese Reise für mich an. Nicht direkt mit dem Filmcamp in der Toskana, sondern mit einem Familienurlaub in Italien. Ein kleiner Vanlife-Trip, wie man ihn sich vorher immer etwas entspannter vorstellt, als er am Ende wirklich ist. Aber vielleicht gehört genau das dazu. Familie ist eben kein Werbeclip mit weichgezeichnetem Sonnenuntergang und perfekt lachenden Kindern vor offener Schiebetür. Familie ist eher: Wo ist die Trinkflasche, wer hat Hunger, warum ist das Ladekabel schon wieder weg und wieso muss eigentlich immer jemand genau dann aufs Klo, wenn man gerade losfahren will?

Also ganz normales Leben. Nur eben in Italien.

So fing diese Reise für mich an.

Gardasee

Die ersten Nächte verbrachten wir am Gardasee. Limone sul Garda. Und ja, der Gardasee kann natürlich auch touristisch sein, voll, manchmal fast zu ordentlich schön. Aber an diesen Tagen hatte er etwas, das mich erreicht hat. Dieses Licht am Wasser, die kleinen Gassen, Cafés, die Berge im Hintergrund und dieser italienische Rhythmus, der irgendwo zwischen Espresso und „morgen ist auch noch ein Tag" hängt.

Für mich war es aber nicht nur Urlaub. Es war auch ein erstes vorsichtiges Ausprobieren. Ich saß dort mit meinem MacBook, irgendwo am Strand oder in einem Café, hatte meine Apps offen, nahm an KI-Seminaren teil und arbeitete tatsächlich von dort aus. Nicht aus einem Büro. Nicht aus einem festen Raum. Nicht aus einem Umfeld, das mich wieder in alte Muster drückt. Sondern einfach von dort, wo ich gerade war.

Am Gardasee.

Mit Blick aufs Wasser.

Und ich merkte, wie sehr mich das faszinierte. Nicht, weil plötzlich alles einfach war. Das war es nicht. Aber weil sich in diesem Moment etwas zeigte, das ich lange nur als Idee im Kopf hatte: Vielleicht kann Arbeit anders sein. Vielleicht muss ich nicht wieder irgendwo festgenagelt werden. Vielleicht kann dieses neue Leben, das ich mir so oft theoretisch zurechtlege, irgendwann wirklich irgendwo zwischen Reisen, Kreativität, Technik und Freiheit stattfinden.

Das klingt vielleicht größer, als es in diesem Moment war. Eigentlich saß ich nur mit einem Laptop am See. Aber manchmal sind es genau diese kleinen Szenen, die mehr mit einem machen als die großen Entscheidungen.

Blick über den Gardasee auf Steilwände und den Uferort Limone im hellen Morgenlicht
Arbeiten mit Blick aufs Wasser – Limone sul Garda.

Vada

Nach dem Gardasee ging es weiter Richtung Süden. Italienische Küste. Sonne, Meer, Urlaub. Eigentlich genau mein Thema. Eigentlich.

Denn dann kamen wir nach Vada.

Und ich muss ehrlich sagen: Es hat mich nicht abgeholt. Überhaupt nicht. Diese typische italienische Küstenstruktur mit endlosen Reihen aus Sonnenschirmen, Liegen, Strandabschnitten und Menschen, die dort nebeneinander abgelegt werden, als hätte jemand Urlaub in Parzellen geschnitten. Alles ist organisiert, bezahlt, kontrolliert, sortiert. Für viele ist das wahrscheinlich Erholung. Für mich fühlt es sich eher an wie Legebatterie mit Sonnencreme.

Das klingt hart, ich weiß. Aber genau so fühlt es sich für mich an. Ein Schirm neben dem anderen, eine Liege neben der anderen, Menschen in Reih und Glied, alle auf der Suche nach Erholung und dabei so dicht aufeinander, dass ich innerlich schon beim Hinsehen rückwärts wieder rausgehe. Da kommt bei mir kein Urlaubsgefühl auf. Keine Freiheit. Keine Seele. Kein Moment, in dem ich denke: Ja, hier will ich bleiben.

Ich bin da einfach raus.

Denn dann kamen wir nach Vada.

Elba

Und wie so oft wurde aus dieser Mischung aus innerem Widerstand, schlechter Laune und spontaner Fluchtbewegung wieder eine typische Dominik-Dahmen-Aktion. Ich schaute auf die Karte, sah wo wir waren, und irgendwann kam dieser Gedanke: Elba.

Elba kennt man. Napoleon. Exil. Insel. Geschichte. Meer.

Und ganz ehrlich: Wenn Elba Exil ist, dann kann ich mir deutlich schlimmere Strafen vorstellen.

Also sind wir weiter. Richtung Fähre. Richtung Insel. Richtung diesem kleinen Punkt auf der Karte, der mich vorher nie wirklich beschäftigt hatte. Ich kenne Sardinien, Korsika, Sizilien. Aus der Fliegerei sowieso, aber auch vom Reisen. Sardinien war für mich immer so ein Vanlife-Sehnsuchtsort. Elba hatte ich nie richtig auf dem Schirm.

Und dann hat mich diese Insel einfach erwischt.

Nicht laut. Nicht spektakulär. Nicht mit diesem „Wow, hier muss ich sofort ein Reel drehen"-Gefühl. Sondern viel leiser. Über das Licht. Über die Farben. Über diese Ruhe, die sich manchmal über einen Ort legt, wenn er noch nicht komplett überrannt ist.

Wir waren an Pfingsten dort, also noch Vorsaison. Und wahrscheinlich war genau das das Geschenk. Die Strände waren leer genug, um sie wirklich zu sehen. Das Wasser hatte Farben, die irgendwo zwischen Karibik, Mittelmeer und Himmel lagen. Morgens war dieses Blau fast unwirklich. Nicht dieses Instagram-Blau, das man später in irgendeinem Filter totzieht, sondern ein echtes Blau. Klar, ruhig, weich. So ein Blau, bei dem man kurz vergisst, dass man überhaupt noch irgendetwas erklären muss.

Elba hat etwas Entschleunigtes. Die Insel schreit nicht. Sie macht keinen Lärm um sich. Sie liegt einfach da und nimmt einen langsam aus dem Tempo. Vielleicht hat mir genau das so gutgetan. Nach all den Gedanken, nach all dem Druck, nach dieser ständigen inneren Suchbewegung war da plötzlich ein Ort, der nichts von mir wollte.

Leider waren unsere zweieinhalb Tage viel zu schnell vorbei. Und ja, weil Ehrlichkeit bei Ocean Zero dazugehört: Elba ist teuer. Wirklich teuer. Auf dem Festland gehst du mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern Pizza essen und bist vielleicht bei fünfzig oder sechzig Euro. Auf Elba setzt du vorne einfach eine schöne Eins davor, dann bist du näher an der Realität.

Da sitzt du dann mit Meerblick und denkst dir: wunderschön hier, aber der Geldbeutel hat gerade einen stillen Nervenzusammenbruch.

Trotzdem blieb Elba schön. Vielleicht gerade, weil es nur so kurz war.

Fischerboote im Hafen von Portoferraio auf Elba vor pastellfarbenen Häusern
Portoferraio. Leise erwischt.

Und dann hat mich diese Insel einfach erwischt.

172 Euro

Danach musste ich meine Familie nach Florenz bringen. Von dort aus traten sie die Heimreise an. Und für mich öffnete sich plötzlich ein ganz anderer Teil dieser Reise. Einer, der nicht mehr Familienurlaub war. Einer, der nicht mehr Gardasee, Elba und gemeinsames Unterwegssein bedeutete.

Plötzlich war ich allein.

Und das klingt immer so romantisch, wenn man es schreibt. Allein in Italien. Mit Bulli. Zwei Tage Zeit. Sonne. Meer. Freiheit. Eigentlich müsste man daraus sofort ein Vanlife-Poster machen.

Nur fühlt sich Freiheit manchmal gar nicht frei an, wenn innerlich zu viel los ist.

Ich landete für eine Nacht auf einem Campingplatz. Und ich sage es, wie es ist: Campingplatz ist nicht meine Welt. Ich weiß, viele lieben das. Für mich ist das nichts. Ich bin Vanlifer. Ich liebe Freiheit, Natur, Minimalismus. Ich brauche keine Parzellen, keine Gemeinschaftsduschen, keine Campingplatzordnung und keine Atmosphäre zwischen Dauercamper, Plastikstuhl und Klappgrill.

Ich will irgendwo stehen, wo ich atmen kann. Wo ich morgens die Tür öffne und nicht direkt in das Vorzelt eines Menschen schaue, der seit 1998 denselben Stellplatz verteidigt. Nichts gegen diesen Menschen. Wirklich nicht. Aber ich brauche Abstand. Luft. Meer. Stille.

Also zog ich weiter. Natürlich mit dem Gedanken, mir selbst einen schönen Platz zu suchen. Irgendwo am Strand, irgendwo im Pinienwald, irgendwo dort, wo das Meer nah genug ist, dass ich es nicht nur sehe, sondern innerlich spüre.

Und ich fand so einen Platz.

Wunderschön. Still. Abgelegen. Kein Mensch weit und breit. Für mich war es perfekt. Für die italienische Polizei offensichtlich weniger. Das freie Stehen kostete mich 172 Euro.

Und ja, Gesetz ist Gesetz. Ich verstehe, dass Länder regeln müssen, wo Camper stehen dürfen und wo nicht. Ich verstehe auch, dass nicht jeder sauber ist, nicht jeder respektvoll, nicht jeder seinen Müll mitnimmt und nicht jeder begreift, dass Natur kein kostenloser Abfalleimer mit Panoramablick ist.

Aber es hat mich trotzdem getroffen.

Weil ich eben nicht so bin. Ich hinterlasse nichts. Kein Grauwasser, keinen Müll, kein Chaos. Ich gehe mit solchen Orten sauber um. Vielleicht sogar sauberer als mancher, der offiziell irgendwo stehen darf. Und dann an einem leeren Strand zu stehen, niemanden zu stören und trotzdem weggejagt zu werden, hatte etwas Bitteres.

Vielleicht auch, weil dieser Strand für mich mehr war als ein Parkplatz.

Das Meer ist für mich kein Hintergrundbild. Es ist mein Ort. Mein Hotspot. Meine Energie. Meine Aufladezelle. Der Ort, an dem in mir weniger Lärm ist. Wenn ich am Wasser bin, sortiert sich etwas. Nicht alles. Aber genug, um wieder atmen zu können.

Und genau diesen Ort musste ich verlassen.

Mit Herzbruch auf der einen Seite und einem Strafzettel über 172 Euro auf der anderen.

Romantischer kann man einen Übergang kaum gestalten.

Weißer VW-Campingbus Herbie steht bei Dämmerung frei am Meer
Der Platz, der 172 Euro kostete.

Das Filmcamp

Also fuhr ich los. Weg vom Meer. Rein in die Toskana. In die Hügel, in die Kurven, in die Höhe. Und ich sage es ehrlich: Berge sind schön. Wirklich. Ich kann Landschaft würdigen. Ich kann eine Aussicht schön finden. Ich kann verstehen, warum Menschen davon schwärmen.

Aber mein Zuhause sind Berge nicht.

Mein innerer Kompass zeigt zum Wasser. Immer.

Trotzdem ging es weiter Richtung Filmcamp. Gefühlt waren es vielleicht fünfzig Kilometer, gedauert hat es anderthalb Stunden. Wer schon einmal mit einem Bulli durch toskanische Hügel gefahren ist, weiß, was das bedeutet. Kurven, Kehren, kleine Straßen, steile Stücke, enge Stellen. Eine Strecke, bei der man irgendwann nicht mehr sicher ist, ob man noch fährt oder schon Teil einer italienischen Mutprobe geworden ist.

Irgendwann kam ich an.

Die Einfahrt zur Villa war fast filmreif. Ein altes Tor, ein Weg, der leicht bergauf führte, und dieses Gefühl, irgendwo hineinzufahren, wo man noch nicht weiß, ob man hier richtig ist. Dann teilte sich der Weg. Rechts oder links. Natürlich wusste ich es nicht. Ich nahm links. Zum Glück.

Vor mir stand eine toskanische Villa. Schön, ruhig, alt, irgendwie beeindruckend. Ein anderer Camper stand schon dort. Und trotzdem war mein erstes Gefühl nicht: Wow, angekommen.

Luftaufnahme der toskanischen Villa mit Pool und Zypressen, Ort des Filmcamps
Die Villa in den toskanischen Hügeln – Ort des Camps.

Mein erstes Gefühl war eher: Ich bin an einem fremden Ort und habe eigentlich überhaupt keine Lust.

Meine Motivation lag bei 0,0.

Nicht, weil der Ort schlecht war. Nicht, weil irgendjemand etwas falsch gemacht hatte. Sondern weil mein System einfach dicht war. Zu viele Eindrücke. Zu viel Fremdes. Zu viel innerer Widerstand. Ich bin nicht der Mensch, der irgendwo ankommt, aussteigt und sofort locker in eine Gruppe hineinspaziert. Ich brauche Vertrauen. Ich brauche ein Gefühl für Räume, für Menschen, für Stimmungen. Sonst gehen in mir erst einmal alle Warnlampen an, als hätte jemand im Cockpit beschlossen, sämtliche Fehlermeldungen gleichzeitig einzublenden.

Was mich beruhigte, war der Gedanke, dass André auch kommen würde. Mein Kompanion und Goal-Buddy. Allein das hat etwas in mir sortiert. Nicht alles, aber genug, um zu bleiben.

Am Abend gab es das erste gemeinsame Essen. Dieses vorsichtige Kennenlernen, bei dem jeder versucht, irgendwie natürlich zu wirken, obwohl alle innerlich scannen, wo sie hier eigentlich gelandet sind. Man spricht, man lacht, man stellt sich vor, man tastet sich heran. Und schon nach kurzer Zeit war klar: Unterschiedlicher hätte man diese Gruppe kaum zusammenstellen können.

Da saßen Menschen an einem Tisch, die im normalen Alltag wahrscheinlich nie in dieser Konstellation zusammengekommen wären. Unterschiedliche Charaktere, unterschiedliche Lebenswege, unterschiedliche Arten zu denken, zu fühlen, zu sprechen, zu leben. Menschen, die man auf der Straße vielleicht nicht angesprochen hätte. Nicht aus Arroganz, sondern weil man im Alltag oft in seinen eigenen Schutzräumen bleibt. Man sortiert schnell ein. Man geht weiter. Man hält Abstand.

Und dann sitzt man plötzlich zusammen an einem Tisch in der Toskana. Mit Essen, Wein, Gesprächen, Unsicherheit, Neugier und diesem leisen Anfang von etwas, das zu diesem Zeitpunkt noch niemand benennen konnte.

In den folgenden Tagen ging es natürlich um Film. Um Kamera, Drohne, Schnitt, Social Media, Storytelling, Abläufe, Ideen und all das, was in so ein Filmcamp gehört. Aber je länger die Woche dauerte, desto mehr merkte ich: Der eigentliche Inhalt dieses Camps war nicht nur das, was vorne erklärt wurde.

Der eigentliche Inhalt waren die Menschen.

Aus diesem wild zusammengewürfelten Haufen entstand eine Dynamik, die ich bis heute schwer erklären kann. Es war, als hätte jemand ganz viele Würfel in einen Topf geworfen, kräftig geschüttelt und am Ende kam ein Sechser nach dem anderen heraus. Nicht perfekt, weil alles glatt war. Nicht perfekt, weil es keine Reibung gab. Sondern perfekt, weil es echt war.

Jeder brachte etwas mit. Eine Geschichte. Eine Unsicherheit. Eine Verletzung. Einen Humor. Ein Talent. Eine Art, die Welt zu sehen. Und irgendwie begann sich das alles nicht gegenseitig zu stören, sondern zu ergänzen. Aus Fremdheit wurde Nähe. Aus Vorsicht wurde Vertrauen. Aus einzelnen Menschen wurde langsam ein Wir.

Man konnte lustig sein oder ernst, müde oder voller Energie, unsicher oder laut, traurig oder albern. Es war nicht nötig, sich permanent zu erklären. Man wurde nicht sofort bewertet, korrigiert oder in eine Schublade gelegt.

Man war da.

Und man durfte da sein.

Eine Aussage einer Teilnehmerin ist mir besonders hängen geblieben. Sie sagte sinngemäß, dass sie dieses Gefühl kaum kenne: nicht ausgeschlossen zu sein, sondern einfach so akzeptiert zu werden, wie sie ist. Dieser Satz hat mich getroffen. Weil er genau das beschrieben hat, was dort passiert ist.

Und ja, von außen erzählt klingt so etwas schnell kitschig. Vielleicht sogar ein bisschen sektenähnlich. Als hätten alle plötzlich Licht gesehen und sich in weichgespülter Harmonie verloren. Aber so war es nicht. Es war nicht künstlich. Es war menschlich. Und vielleicht ist genau das der Punkt. Menschlichkeit fühlt sich heute manchmal schon unrealistisch an, weil man sie im normalen Leben viel zu selten in dieser Form erlebt.

Für mich kam dieses Camp zu einem Zeitpunkt, an dem ich es gebraucht habe. Wahrscheinlich mehr, als ich vorher zugegeben hätte. Ich kam aus einer Phase, in der ich mich oft nicht mehr als Mensch gefühlt habe, sondern als jemand, der funktionieren soll. Der wirtschaftlich sein soll. Der liefern soll. Der bitte in irgendeinen Ablauf passen soll.

Nach meiner Erfahrung am Bodensee war etwas in mir ziemlich beschädigt. Mehr, als ich vielleicht nach außen gezeigt habe. Ich lag ohnehin schon am Boden. Gesundheitlich, emotional, finanziell. Und dann kam noch dieses Gefühl dazu, nicht gesehen zu werden. Nicht als Mensch. Eher als Problem. Als Aufwand. Als jemand, der nicht so funktioniert, wie andere es gerne hätten.

Kühle Ignoranz kann manchmal mehr zerstören als ein lautes Wort.

Und genau deshalb hat mich diese Woche in der Toskana so berührt. Weil ich dort nicht funktionieren musste.

Ich durfte einfach Mensch sein. Suchend, kreativ, unsicher, nicht fertig. Und statt weggedrückt zu werden, wurde ich gehalten. Nicht dramatisch, nicht therapeutisch, nicht mit großen Reden. Sondern durch Menschen, die da waren. Die zuhörten. Die lachten. Die mitdachten. Die nachfragten. Die nicht sofort bewertet haben.

Das war für mich mehr als ein Filmcamp. Es war ein Stück Rückverbindung. Zu dem, was in meinem Kopf steckt. Zu dem, was in meinem Herzen steckt. Zu dem, was ich vielleicht viel zu lange vorsichtig versteckt habe, weil man irgendwann lernt, sich kleiner zu machen, wenn man zu oft irgendwo aneckt.

Ich wurde dort nicht neu erfunden. Aber ich wurde erinnert. An Kreativität. An Mut. An Ideen. An Bildgefühl. An Geschichten. An Technik. An Emotion. An Humor. An diesen Wunsch, aus all dem etwas zu bauen, das nicht nur irgendwie überlebt, sondern wirklich lebt.

Ich habe in dieser Woche mehrfach gesagt: Wenn man mit diesen Menschen eine Firma gründen würde, dann wäre das wahrscheinlich das beste Start-up, das man sich vorstellen kann. Und ich meine das bis heute. Nicht, weil jeder alles konnte. Sondern weil jeder etwas anderes konnte. Weil da Menschen waren, die Struktur brachten, andere, die fühlten, andere, die machten, andere, die filmten, beobachteten, beruhigten, antrieben, sortierten oder einfach nur durch ihre Art den Raum besser machten.

Zusammen entstand etwas, das größer war als die einzelnen Teile. Man konnte sich frei fühlen. Kreativ sein. Zweifeln. Wieder weitermachen. Und ich glaube, das ging nicht nur mir so. Diese Woche hatte eine Energie, die man nicht planen kann. Man kann sie nicht buchen, nicht organisieren, nicht in einen Ablaufplan schreiben. Sie entsteht oder sie entsteht nicht.

Und dort ist sie entstanden.

Natürlich war das Camp anstrengend. Viele Menschen, viele Inhalte, viele Gespräche, viele Eindrücke. Für jemanden wie mich ist so etwas nicht einfach nur schön. Es kostet Kraft. Aber es war eine gute Erschöpfung. Eine, die nicht leer macht, sondern etwas öffnet.

Aber mein Zuhause sind Berge nicht.

Was blieb

Und als die Woche vorbei war, kam dieses Loch.

Diese Wehmut.

Dieses Gefühl, aus einer Blase herauszufallen, in der man sich für kurze Zeit sicher gefühlt hat. Man verabschiedet sich von Menschen, die vor wenigen Tagen noch fremd waren und plötzlich etwas in einem berührt haben, das sonst kaum jemand erreicht.

Das lässt sich schwer erklären. Aber es war da.

Und vielleicht ist das Schönste an dieser Geschichte, dass es nicht einfach mit der Abreise vorbei war. Heute gibt es immer noch Kontakt. Fast täglich. Gruppen, Online-Treffen, Coworking, Brainstorming, gemeinsame Projekte, Ideen, gegenseitige Unterstützung. Dieses Gefühl, nicht wieder komplett allein vor dem Bildschirm zu sitzen und sich selbst motivieren zu müssen, während draußen die Welt einfach weiterläuft.

Aus diesem Camp ist etwas Humanes entstanden. Menschlich. Echt. Nicht perfekt. Nicht immer sortiert. Nicht Hochglanz. Aber tragend.

Ich hänge an jedem Einzelnen von diesen Menschen. Und das sage ich nicht leichtfertig. Ich habe gelernt, vorsichtig zu sein. Ich weiß, wie es sich anfühlt, getragen zu werden und dann plötzlich fallen gelassen zu werden wie eine heiße Kartoffel.

Dieses Gefühl habe ich diesmal nicht.

Diesmal ist da Verbindung geblieben. Support. Austausch. Gemeinsames Denken. Gemeinsames Nach-vorne-Gehen. Und vor allem dieser Raum für Kreativität, der mir so lange gefehlt hat.

Vielleicht war genau das die eigentliche Reise.

Nicht Gardasee. Nicht Elba. Nicht Toskana. Nicht einmal das Filmcamp.

Sondern der Weg zurück zu einem Gefühl, das ich lange verloren hatte. Dass ich nicht nur jemand bin, der etwas hinter sich hat. Nicht nur jemand, dem alte Flügel abgeschnitten wurden. Nicht nur jemand, der irgendwie schauen muss, wie es weitergeht.

Sondern jemand, der noch immer etwas zu geben hat.

Bilder. Geschichten. Ideen. Perspektiven. Erfahrung. Gefühl. Und vielleicht genau diese Mischung aus Himmel und Erde, aus Meer und Technik, aus Melancholie und Sarkasmus, aus Kamera, Drohne, Bulli und diesem ständigen inneren Versuch, trotz allem wieder aufzustehen.

Die Toskana war für mich deshalb kein klassischer Reisebericht.

Sie war ein Übergang. Vom Meer in die Berge. Von Familie in Fremde. Von Unsicherheit in Verbindung. Von innerem Rückzug in ein neues Wir.

Und vielleicht ist das am Ende mehr wert als jedes perfekte Urlaubsfoto.

Danke fürs Lesen.

Danke fürs Zuhören.

Danke fürs Mitkommentieren.

Ich freue mich über jedes Feedback. Die Reise ist noch lange nicht zu Ende. Es sind neue Projekte im Raum. Neue Wege. Neue Menschen. Neue Bilder im Kopf.

Bis dahin: bis bald.

Willkommen an Board.

Bis dahin. Liebste Grüße.

Euer Dominik

Zwischen Himmel und Erde · Podcast

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